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Im Fokus

Zwischen Sprachbad und Sprachsalat: ein Steifzug durch die vielen Facetten früher sprachlicher Bildung

Wie werden aus kleinen Wörtern große Welten?

Der Artikel beleuchtet zentrale Aspekte früher sprachlicher Bildung – von alltagsintegrierter Sprachförderung über Mehrsprachigkeit und Zweitspracherwerb bis hin zu Sprachkontakt, Beziehungsarbeit und Elternbeteiligung.

Außerdem mit dabei: Einblicke in die PUMA-Materialien des ÖSZ und eine Sneak-Preview auf das neue Translanguaging-Plakat.

Ein Beitrag von Karin Weitzer (ÖSZ)

Im Fokus - 13. Mai 2026

Ob Fantasiewörter, Reime oder endlose Warum-Fragen – mit Sprache(n) öffnen Kinder Stück für Stück ihr ganz eigenes Fenster zur Welt. Sprachen helfen ihnen dabei, Beziehungen aufzubauen, ihre Umwelt zu entdecken und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sprache ist dabei weit mehr als nur ein Werkzeug zum Lernen und Kommunizieren: Sie ist Ausdruck von Persönlichkeit, Kreativität und Freude.

In elementaren Bildungseinrichtungen wird ein wichtiger Grundstein für lebenslanges Sprachenlernen und sprachliche Entwicklung gelegt. Kindergärten sind Orte der Begegnung, der Beziehung und des gemeinsamen Entdeckens. Hier erleben Kinder Sprache im Alltag – beim Spielen, Singen, Erzählen, Streiten, Trösten und Lachen.

In Österreich wächst ein großer Teil der Kinder mehrsprachig auf. Diese sprachliche Vielfalt ist eine wertvolle Ressource, die in der frühen Bildung bewusst aufgegriffen und gefördert werden kann. Sprachliche Bildung bedeutet daher nicht nur, Deutschkompetenzen zu stärken, sondern auch die Familiensprachen der Kinder sichtbar zu machen und wertzuschätzen. Studien zeigen: Kinder lernen lieber und somit erfolgreicher, wenn sie an ihre bereits vorhandenen sprachlichen Erfahrungen anknüpfen können.

Sprachförderung alltagsintegriert gestalten

Frühe sprachliche Förderung gelingt besonders gut, wenn sie nicht isoliert stattfindet, sondern selbstverständlich in den Kindergartenalltag eingebettet ist. Pädagoginnen/Pädagogen und Betreuerinnen/Betreuer begleiten Kinder sprachsensibel durch alltägliche Situationen – beim Ankommen, Essen, Spielen, Forschen oder Vorlesen. Offene Fragen, gemeinsames Erzählen, Reime, Lieder und Rollenspiele schaffen zahlreiche Sprechanlässe und fördern Wortschatz, Satzbau, Ausdrucksfähigkeit sowie kommunikative und soziale Kompetenzen. Auch inszenierte Sprachlernsituationen, die auf Wortschatzaufbau und Sprachstruktur fokussieren und Kinder in fantastische Dinosaurier-, Märchen-, Zirkus- oder Weltraumwelten eintauchen lassen, sprechen Emotionen an und fördern die Motivation.

Beziehung als Grundlage sprachlicher Bildung

Im Kindergarten oder in der Schule lernen Kinder oft nicht für etwas Abstraktes (z. B. um erfolgreich zu sein, um an der Gesellschaft teilzuhaben oder um gute Noten zu bekommen), sondern für jemanden Konkreten – etwa für eine Pädagogin/einen Pädagogen, die/den sie besonders verehren und beeindrucken möchten. Beziehung ist vielleicht nicht alles, aber ohne Beziehung ist – gerade im Kindergarten – alles nichts.

Kinder lernen Sprache besonders gut dort, wo sie sich wohl und ernst genommen fühlen. Wenn ihnen aufmerksam zugehört wird, sie erzählen dürfen und Interesse an ihren Gedanken und Geschichten gezeigt wird, entstehen ganz natürliche Sprechanlässe. Pädagoginnen/Pädagogen schaffen mit dialogischem Sprachverhalten, gemeinsamen Aktivitäten und einer wertschätzenden Atmosphäre Räume, in denen Kinder Sprache ausprobieren und Vertrauen in ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln können. Wenn Kinder merken, dass ihr Handlungs- und Gestaltungsspielraum mit zunehmender Sprachkompetenz wächst, sind sie intrinsisch motiviert, ihr sprachliches Repertoire immer weiter auszubauen.

Sprachliche Vielfalt als Chance

Sprachliche Vielfalt zeigt sich auf ganz unterschiedliche Weise: in Erstsprachen, Dialekten, Lieblingswörtern aus dem Urlaub, in Englisch aus Liedern oder Medien – und manchmal auch in ganz neu erfundenen Fantasiesprachen. All diese sprachlichen Erfahrungen können aktiv in den Kindergartenalltag eingebunden werden. Kinder haben großen Spaß daran, Wörter aus verschiedenen Sprachen zu vergleichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken oder spielerisch zwischen Sprachen und Varietäten zu wechseln. So entstehen Neugier, Sprachbewusstsein und Freude an Kommunikation.

Wenn Kinder erleben, dass ihre Sprachen willkommen sind und ihre Stimmen gehört werden, entsteht eine positive Lernumgebung, in der sprachliche Entwicklung gelingen kann. Elementare Bildungseinrichtungen leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Chancengerechtigkeit und einem respektvollen Miteinander in einer vielfältigen und zunehmend individualisierten Gesellschaft.

Der Kindergarten als wichtiger Ort des Deutschlernens

Viele Eltern sprechen mit ihren Kindern – wie von Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern empfohlen – zuhause ihre eigene(n) Erstsprache(n).

Für manche Kinder ist der Kindergarten der erste Ort, an dem sie regelmäßig mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen. Im gemeinsamen Spiel, in Gesprächen, Liedern, Geschichten und Alltagssituationen erwerben sie wichtige sprachliche Kompetenzen oft ganz nebenbei und in einem natürlichen Umfeld.

Der Zweitspracherwerb folgt bestimmten Mustern und entwickelt sich nicht zufällig. Kinder lernen eine neue Sprache nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt – in sogenannten „Phasen“ oder „Stufen“, die aufeinander aufbauen. Dieses sich entwickelnde Zweitsprachensystem wird auch Lernersprache oder Interimssprache genannt. Diese „Interlanguage“ verändert sich ständig. Um Kinder sprachlich gut begleiten zu können, ist es wichtig, die Merkmale der einzelnen Aneignungsstufen von Deutsch als Zweitsprache zu kennen, zu wissen, wo das Kind gerade in seiner Sprachentwicklung steht, und ihm passende, altersgerechte Sprachangebote für den nächsten Entwicklungsschritt anzubieten. Dabei gilt: Auch gezielte Fördermaßnahmen können diese natürliche Reihenfolge des Spracherwerbs nicht einfach überspringen oder grundlegend verändern. Es ist aber sehr wohl möglich, das Erreichen der nächsthöheren Stufe zu beschleunigen oder das Stagnieren auf einer Stufe zu vermeiden.

Detaillierte Informationen dazu finden Sie im „Leitfaden zur frühen sprachlichen Bildung und Förderung“. Am Übergang von elementaren Bildungseinrichtungen.“ (2014; überarbeitete Fassung 2021).

Wie oft und wie gut? Qualität und Quantität – beides zählt

Kinder brauchen ausreichend Gelegenheit, mit der Zweitsprache in Kontakt zu kommen. Entscheidend sind dabei sowohl die Zeit, die sie mit der zu lernenden Sprache verbringen, als auch die Qualität der sprachlichen Interaktionen. Kinder, die früh, regelmäßig und über längere Zeit Deutsch hören und sprechen können, machen meist deutlichere Fortschritte beim Erwerb sprachlicher Kompetenzen. Besonders hilfreich sind dabei häufige Kontakte zu deutschsprachigen Kindern sowie der längerfristige Besuch einer elementaren Bildungseinrichtung. Gleichzeitig zeigt sich: Nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität des Sprachkontakts spielt eine wichtige Rolle. Gespräche, gemeinsames Spielen, Erzählen, Fragenstellen und absichtsvolle Sprachhandlungen fördern den Zweitspracherwerb besonders nachhaltig.

Während mancherorts ein Eintauchen in ein „deutschsprachiges Sprachbad“ und intensives Peer-Learning möglich ist, gleichen andere Kindergärten eher bunten Erlebnisbädern mit unterschiedlichsten Sprachrutschen, Sprachbecken und Sprachtürmen. Wo lernt man also besser schwimmen? Wo ist der Spaßfaktor höher? Und wo braucht es mehr Personal, damit niemand untergeht? Ganz egal, wie die Badelandschaft aussieht – Fakt ist: Nicht alle Kinder können gleich gut schwimmen.

Nicht jedes Sprachkonto ist gleich gefüllt

Sprachliche Vielfalt bezieht sich nicht nur auf unterschiedliche Erstsprachen, sondern auch auf eine wachsende Schere zwischen „Sprachenreichtum“ und „Sprachenarmut“. Manche Kinder wachsen mit vielfältigen Gesprächen, Geschichten, Büchern und spielerischen Interaktionen auf, in denen die Freude an Sprache und Wiederholung einen besonderen Stellenwert hat. Sie kommen mit einem bereits gut gefüllten „Sprachkonto“ in den Kindergarten. Diese Kinder verfügen meist auch über ein umfangreiches Weltwissen. Wissens- und Sprachaufbau sind eng miteinander verknüpft: Kinder können nur jene Wörter und Strukturen erwerben, die in ihrem Umfeld verwendet werden und in einen für sie relevanten Bedeutungs- und Sinnzusammenhang eingebettet sind. Kinder, die im Alltag reichhaltigen sprachlichen Input erhalten, können gut an vorhandenes Wissen anknüpfen und ihren Wortschatz rasch erweitern. Andere Kinder erleben zuhause deutlich weniger sprachliche Zuwendung und tun sich daher oft schwerer, sich auszudrücken.

Die unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen der Kinder aufzufangen und bestmöglich zu begleiten, gehört zu den spannendsten, aber auch anspruchsvollsten Aufgaben im Kindergartenalltag. Gerade in großen Gruppen braucht individuelle sprachliche Förderung viel Aufmerksamkeit, Zeit und Feingefühl.

Trotz oft herausfordernder Rahmenbedingungen und einem Betreuungsschlüssel mit Luft nach oben leisten Pädagoginnen/Pädagogen und Betreuerinnen/Betreuer täglich einen enorm wichtigen Beitrag zur Sprachentwicklung von Kindern, den man gar nicht hoch genug wertschätzen kann: Sie schaffen Räume, in denen Kinder Sprache erleben, ausprobieren und Vertrauen in ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten entwickeln können – und legen damit eine wichtige Grundlage für Bildung, Teilhabe und gemeinsames Lernen.

Eltern als wichtige Bildungspartnerinnen/Bildungspartner

Eine gelingende sprachliche Bildung kann niemals ausschließlich im Kindergarten stattfinden. Sie lebt wesentlich von der Zusammenarbeit mit Eltern und Familien. Eltern kennen die Interessen, Erfahrungen und Sprachen ihrer Kinder am besten und bringen wertvolle Perspektiven in den Bildungsalltag ein.

Wenn Familiensprachen sicht- und hörbar sein dürfen und Eltern aktiv eingebunden werden können und wollen – etwa durch mehrsprachige Bücher, Lieder, Erzählungen oder gemeinsame Aktivitäten –, entsteht eine starke Verbindung zwischen Familie und Bildungseinrichtung. Kinder erleben dadurch, dass ihre persönlichen Fähigkeiten ebenso wertgeschätzt werden wie das Wissen und Können ihrer geliebten Bezugspersonen.

Sprache als Ausdruck von Kreativität und Humor

Sprache ist nicht nur Mittel zum Zweck (z. B. für eine erfolgreiche Bildungsbiografie). Sprache ist nicht nur ein Werkzeug zum Lernen und Kommunizieren – sie ist auch Ausdruck von Persönlichkeit, Kreativität und Freude. Kinder entdecken Sprache oft mit erstaunlicher Leichtigkeit und Fantasie: Sie erfinden Wörter, spielen mit Reimen, wechseln zwischen Sprachen, lachen über Sprachklänge und erzählen Geschichten auf ihre ganz eigene Weise. Gerade in mehrsprachigen Gruppen entstehen dabei humorvolle und kreative Momente, die zeigen, wie lebendig Sprache sein kann. Sprachliche Bildung bedeutet deshalb auch, Kindern Raum zum Experimentieren, Staunen und gemeinsamen Lachen zu geben – denn Freude an Sprache ist eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Lernen.

Sprachen spielerisch entdecken mit den PUMA-Materialien des ÖSZ

Das Österreichische Sprachen-Kompetenz-Zentrum (ÖSZ) unterstützt elementare Bildungseinrichtungen, Volksschullehrerinnen und -lehrer sowie Eltern mit den PUMA-Materialien – einer Sammlung praxisnaher und kindgerechter Angebote zur frühen sprachlichen Bildung und Mehrsprachigkeit.

Die XXL-PUMA-Faltplakate laden Kinder dazu ein, Sprache(n) spielerisch zu entdecken und sich sprachlich auszuprobieren. Kreative Sprachaktivitäten, Würfelspiele, Wimmelbilder, fantasievolle Was-wäre-wenn-Fragen, Bildgeschichten und Hörbücher in verschiedenen Sprachen fördern Deutschkompetenzen und stärken gleichzeitig den wertschätzenden Umgang mit sprachlicher Vielfalt.

Besonders wichtig ist dabei der niederschwellige Zugang: Die Materialien lassen sich unkompliziert und ohne lange Vorbereitung in den Kindergartenalltag integrieren und unterstützen Pädagoginnen/Pädagogen dabei, sprachliche Bildung lebendig und inklusiv zu gestalten. Das Spiralheft „PUMA für Eltern“ – erhältlich in mehreren Sprachen – bietet zusätzlich alltagstaugliche Tipps zur Sprachförderung zuhause.

Sneak-Preview

Die PUMA-Produktpalette wird laufend weiterentwickelt. Ein neuer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema „Translanguaging“ – also dem bewussten und kreativen Einsatz des gesamten sprachlichen Repertoires der Kinder. Aktuell entsteht ein neues XXL-Plakat, das Kinder in eine bunte Zirkuswelt entführt und sie spielerisch zum Jonglieren mit Sprache(n), zu Code-Switching, Wortakrobatik und zum Entdecken unterschiedlichster sprachlicher Ausdrucksformen einlädt.

Wie alle PUMA-Materialien basiert auch dieses Projekt auf der fundierten sprachwissenschaftlichen Expertise von Barbara Rössl-Krötzl, wird von den fantasievollen Illustrationen unseres PUMA-Illustrators Eric Chen getragen und durch das Layout unseres Grafikers, Kindergartenbetreuers und engagierten Aktivisten für professionelle und chancengerechte elementare Bildung, Max Werschitz, zum Leben erweckt. Entstanden ist das neue Material – wie immer – im engen Austausch mit vielen Stimmen aus der Praxis.

Das neue Plakat ist ab 2027 erhältlich. Alle PUMA-Materialien können Sie bei uns bestellen, und wir schicken sie kostenlos zu - solange der Vorrat reicht.

Über Feedback und Anregungen freuen wir uns immer!

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