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Interkulturelle Kompetenz

WAS ES BEDEUTET, INTERKULTURELLE KOMPETENZ ZU ENTWICKELN

Sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen, kann folgende Beweggründe haben:

  • Man lernt, sich mit Anderssprachigen angemessen zu verständigen.
  • Man lernt, andere besser zu verstehen.
  • Gleichzeitig lernt man auch, sich selbst und die eigene Kultur besser zu verstehen.

Ein Ergebnis der Helsinki-Konferenz von 1975 war es, die Grundsätze für eine friedliche Koexistenz von 33 europäischen Staaten, den USA und Kanada festzuschreiben. In den Schlussakten haben sich die Signatarstaaten verpflichtet, das Lernen von Fremdsprachen und ihren Kulturen zu unterstützen, da dies eine wichtige Voraussetzung ist, um die Verständigung zwischen den Völkern zu ermöglichen.

Länder, deren Bevölkerung nicht mehrere Sprachen gelernt hat, laufen Gefahr, die Zusammenhänge der Welt, in der wir leben, nicht genügend zu verstehen, in der internationalen Zusammenarbeit nicht genügend diplomatisch vorzugehen und sich insgesamt eher als von außen bedroht zu erleben.[1]

Fremdsprachen sind nicht nur Schlüssel zum Verständnis von anderen Kulturen, sie können auch ebenso Toleranz gegenüber dem, was anders ist und ein Gefühl des Vertrauens in sich selbst und andere vermitteln.

In der konkreten Kommunikation mit anderssprachigen Menschen ist es z. B. wichtig zu wissen, welche Volksgruppen in einem Land leben und ob es zwischen diesen Gruppen Konflikte gibt. Die Sichtweise Ihres Gesprächspartners/Ihrer Gesprächspartnerin wird bei manchen Themen von der Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen geprägt sein. Genaues Hinhören und vorsichtiges Formulieren können Unstimmigkeiten vermeiden.

Die Frage, was interkulturelle Kompetenz überhaupt ist, kann man so beantworten:

“… [People’s intercultural competence is] their ability to ensure a shared understanding by people from different social identities, and their ability to interact with people as complex human beings with multiple identities and their own individuality"[2].

In der Begegnung mit Menschen, deren kultureller Hintergrund anders ist als unser eigener, sind also mehrere Dinge wichtig. Wir müssen den kulturellen Hintergrund kennen, um das gegenseitige Verständnis zu sichern, gleichzeitig muss uns aber bewusst sein, dass wir es mit einem Individuum zu tun haben, einer Person mit individuellen Sichtweisen, Werthaltungen und Verhaltensweisen.

Um interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, muss man also etwas über die Besonderheiten anderer Kulturen wissen, sowie deren Wertvorstellungen und Gewohnheiten kennen. Gleichzeitig ist Sensibilität gegenüber anderen und die Fähigkeit zur Anpassung nötig.[3]

Die folgenden Aufgaben sollen Ihnen die Gelegenheit geben, all diese Aspekte selbst zu erfahren, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen und vor allem sich selbst und die eigene Kultur besser einzuschätzen und zu verstehen. Sie sind für eine Lerngruppe oder die Arbeit in der Klasse gedacht.

  1.      Quiz zum interkulturellen Wissen
  2.      Stimmen und Gesichter
  3.      Sprache, Kontext und Kultur
  4.      Was uns Berichte aus dem Ausland über unser eigenes Familienleben sagen

1. QUIZ ZUM INTERKULTURELLEN WISSEN

1. Nennen Sie alle Sprachen, die in den Nachbarländern Österreichs gesprochen werden.

2. Welche der nachstehend angeführten Sprachen werden in den folgenden Ländern gesprochen?
Ordnen Sie die Sprachen den Ländern zu (mehrere Nennungen möglich):

Spanisch Italienisch Katalanisch Kroatisch Französisch Gälisch Englisch Deutsch Rätoromanisch Slowenisch Baskisch Ladinisch

Irland:

Spanien:

Italien:

Schweiz:

Österreich:

Welche Sprachen würden Sie noch ergänzen?

3. Nennen Sie Ihnen bekannte Gruppen von Minderheiten/Migranten/Migrantinnen in

… Österreich:

… einem anderen Land, dessen Sprache Sie lernen / gelernt haben:

4. Was ist der Europarat und wo liegen seine historischen Wurzeln?

5. Was ist die Europäische Union und wo liegen ihre historischen Wurzeln?

6. Welche Sprachen gelten in der EU als anerkannte Amtssprachen?

7. Wann wurde eine gemeinsame europäische Währung eingeführt und welche Länder haben sich daran
beteiligt / welche nicht?

8. Welche Länder wurden 2004 in die EU aufgenommen?

9. Nennen Sie Länder, die zur Gruppe der Beitrittskandidaten zählen.

Diskussionsphase

Vergleichen Sie die Ergebnisse mit einem Lernpartner / einer Lernpartnerin oder in der Klasse und versuchen Sie sich selbst einzustufen (sehr gut – ganz gut – ich sollte Wissenslücken schließen).

Was hat Sie zu Ihren Lösungen geführt?

Besprechen Sie, in welchen Bereichen Sie Ihr Wissen ergänzen sollten. Welchen ersten Schritt möchten Sie setzen (z.B. bei den Nachrichten auf kulturelle Informationen achten, Bücher, Internetrecherche ...)?

Für eine Schnellabfrage hier eine wichtige Website:

http://www.coe.int

2. STIMMEN UND GESICHTER

· An welche Stimmen und Gesichter können Sie sich erinnern, denen Sie auf Reisen ins Ausland begegnet sind?

· Welche Menschen aus der Fremde kennen Sie in Ihrer Ausbildung, Ihrem Beruf oder in Ihrer Nachbarschaft?

· Was sagen Ihnen ihre Stimmen über die Kultur, aus der sie stammen?

Denken Sie an ein Ereignis, bei dem Ihnen die Unterschiede, aber vielleicht auch die Ähnlichkeiten im Verhalten, Denken und Handeln bewusst wurden. Zeichnen Sie ein Ding, das bei diesem Ereignis wichtig war, auf ein Blatt Papier.

Arbeiten Sie jetzt mit einem Partner/einer Partnerin und tauschen Sie Ihre Erfahrungen aus, indem Sie ihn/sie über das Ereignis befragen.

Sprechen Sie darüber, was Sie aus dieser sehr persönlichen Erfahrung gelernt haben. Sind Ihnen die Verschiedenheiten bewusst geworden oder die Ähnlichkeiten – oder beides?

Schreiben Sie einen kurzen Text, in dem Sie Ihre Erfahrungen schildern und legen sie ihn im Dossier ab. Lesen Sie die Texte in Ihrer Klasse oder Lerngruppe vor, wenn Sie dies möchten.

Vergleichen Sie die verschiedenen Erfahrungen in einem gemeinsamen Gespräch.

3. SPRACHE, KONTEXT UND KULTUR

Die folgende Übung soll Ihnen zeigen, dass die Bedeutung eines geschriebenen oder gesprochenen Textes nicht nur aus dem Inhalt zu erschließen ist, sondern auch aus der Wirkung, die Ihre Stimme auf Ihre Zuhörer hat.

Denken Sie an ein Erlebnis oder eine Anekdote, die Sie selbst erlebt haben. Schreiben Sie einige Schlüsselwörter auf ein Blatt Papier.

Bereiten Sie die Geschichte nun so vor, dass Sie sie fließend erzählen können. Sie können Ihre Geschichte auch in einer anderen Sprache nacherzählen, wenn Sie glauben, dass Ihre Zuhörer diese Sprache besser verstehen.

Arbeiten Sie nun in Gruppen und erzählen Sie Ihre Geschichte in verschiedenen Situationen, wobei Sie Ihre Stimme und die Wortwahl verändern können:

Flüstern Sie oder sprechen Sie laut, unterbrechen oder überschreien Sie einander, drängen Sie die Geschichte den anderen auf, wechseln Sie zwischen Sprechen und Schweigen, Tempo und Pausen, Stimmungen und Haltungen.

Folgende Situationen könnten Sie durchspielen:

· Blicken Sie einander an oder sitzen Sie Rücken an Rücken.

· Sprechen Sie zu einem guten Freund / einer guten Freundin oder zu Gästen bei einer Party.

· Sprechen Sie zu Ihrem Chef / Ihrer Chefin oder einem Kollegen / einer Kollegin.

· Sprechen Sie am Telefon oder in einem vornehmen Restaurant.

Besprechen Sie nun die Wirkung auf die Zuhörerinnen und Zuhörer.

Wie würden Menschen aus verschiedenen Kulturen eine Geschichte erzählen?

Denken Sie an Beispiele aus eigener Erfahrung, aus dem Film oder Fernsehen.[4]

4. WAS UNS BERICHTE AUS DEM AUSLAND ÜBER UNSER EIGENES FAMILIENLEBEN
SAGEN

Arbeiten Sie mit einer Partnerin / einem Partner und lesen Sie jede/r einen der folgenden Texte durch.

  1.      Overnight nursery heralds new trend
  2.      Une loi contre les violences?
  3.      Mammoni d’Italia

Schreiben Sie zu Ihrem Text drei Schlüsselwörter auf.

· Sprechen Sie über die beiden Texte, indem Sie Ihre Partnerin / Ihren Partner über ihren/seinen Text befragen. Verwenden Sie dabei Ihre Schlüsselwörter als Anhaltspunkt. Legen Sie vorher die Sprache fest, in der Sie sich unterhalten wollen. Die Texte müssten dann eventuell in dieser Sprache zusammengefasst werden.

· Vergleichen Sie nun die Situation im Ausland mit der eigenen Familie und besprechen Sie, wie Sie selbst aufgewachsen sind.

· Sie können Ihre Gedanken in einem Text für das Dossier zusammenfassen.

Texte:

1. Overnight nursery heralds new trend

A pioneering 24-hour kindergarten launched last week aims to provide overnight care for the children of shiftworkers. The new nursery in Glasgow is the only one of its kind known in Scotland, and is believed to be one of two settings currently registrated to offer overnight care in the whole of Britain. Owner Angela Eakins said, “Society is not nine to five any longer. We have 24-hour call centres and a 24-hour supermarket nearby. I did a survey and asked parents if they would use 24-hour child care and one said it was a pity I hadn’t started months ago, when her friend had to give up a job because she didn’t have anybody to look after her child”…..

Slightly adapted from: Nursery World, April 2001.

2. Une loi contre les violences?

«Ça y est j'ai tué cette femme, ça y est je l'ai fait», a avoué Osman. Le 31 janvier, à Strasbourg, il a poignardé Emine, son ex-épouse, une jeune femme turque de 35 ans. Ses enfants sous le bras, elle avait fui la violence de son mari deux ans auparavant. Elle souhaitait se réfugier en Allemagne, Osman l'a retrouvée. «En France, le crime d'honneur existe, il y a eu quelques cas ces dernières années. Mais, sans aller jusque-là, il existe une autre forme de punition: les violences domestiques, explique Pinar Hukum, responsable à Elele, une association turque qui défend les droits des femmes. Au nom de l'honneur, un mari, un frère, une belle-mère empêchent une jeune fille de sortir, lui infligent des brimades, parfois des coups.» Le 29 mars, le Sénat doit examiner une proposition de loi visant à réprimer plus sévèrement les auteurs de violences conjugales: elle prévoit notamment trois ans de prison pour le conjoint brutal, son départ de la maison et l'obligation de suivre un traitement thérapeutique.

Marie Huret, L'Express (28.3.2005).

3. Mammoni d'Italia

"Dietro un grande uomo c’è una grande donna". Sacrosanto. Il dilemma è vedere di quale donna si parli: moglie o mamma? Sì, perché per molti italiani famosi e non, la figura femminile più importante è, di gran lunga, la mamma. Il termine mammone nel linguaggio familiare indica il bambino, ma anche l’adulto, molto attaccato alla mamma. Ed è proprio di lei che i mammoni di successo si fidano ciecamente. A lei chiedono sempre un prezioso consiglio prima di una decisione importante, anche in campo sentimentale. E, visti i risultati, il "mammismo" è una marcia in più per far carriera e una "debolezza" di cui vantarsi.
La lista dei mammoni celebri è lunga: Silvio Berlusconi, lo scrittore Aldo Busi, il cirtico d'arte Vittorio Sgarbi, il giornalista Paolo Brosio e il comico Gene Gnocchi. Tanto per citarne alcuni. Non è un mistero che Rosa Berlusconi, novantaduenne madre dell’uomo più potente d’Italia, abbia influenzato la vita politica del figlio.
E i mammoni, "comuni" mortali? Anche per loro la mamma è l’ideale di donna. Protettiva, dolce, disponibile, unica persona di cui ci si può fidare, al 100%. Dello stesso avviso non sono compagne e mogli dei mammoni "incalliti", spesso in conflitto con la suocera e stanche di sopportare il rapporto "da cordone ombelicale mai reciso" tra il proprio uomo e la madre "santa". Lotte feroci fatte di vendette, ricatti morali e odio a cui il povero mammone assiste impotente.
Ma anche per i mammoni il rapporto con la mamma non è sempre idilliaco. L’altra faccia della presenza rassicurante della mamma è la sua insistenza: "fa`questo, sta' attento, copriti, non sudare, va' piano!" (anche se si viaggia in treno o in aereo e si è superata abbondantemente la trentina).
Ma, con tutti i difetti, la mamma è sempre la mamma. Parola di mammone.
 

Mario Trabalza. http://www.adesso-online.de (1.9.2003).


[1] Vgl. Kramsch, Claire. Context and Culture in Language Teaching. Oxford: OUP, 1993.

[2] Byram, Michael, Gribkova, Bella, und Starkey, Hugh. Developing the Intercultural Dimension in Language Teaching: A Practical Introduction for Teachers. Strasbourg/Graz: Council of Europe/ECML, 2002. S. 10.

[3] Nach Tomalin. The 5 C’s of intercultural scommunication. Presentation. ICC Conference Graz, März 2005.

[4] Nach Kramsch, Claire. Context and Culture in Language Teaching. Oxford: OUP, 1993. S. 94.